Die Aortenklappenstenose einfach erklärt
Symptome, Diagnose und moderne Behandlung
30.10.2026 23 min Staffel 1 Episode 4 PD Dr. med. Philipp Breitbart
Zusammenfassung & Show Notes
Ein Herz pumpt rund 5.000 Liter Blut am Tag, doch was passiert, wenn das Auslassventil des Herzens verkalkt und sich nicht mehr richtig öffnet? In der vierten Folge von CCB Herzgeflüster spricht Host PD Dr. med. Philipp Breitbart mit Prof. Dr. med. Holger Eggebrecht, interventionellem Kardiologen und einem der Inhaber des CCB Frankfurt.
Gemeinsam sprechen sie über die Aortenklappenstenose, eine der häufigsten Herzklappenerkrankungen im Alter. Prof. Eggebrecht erklärt, wie es zur Verkalkung der Klappe kommt, warum Beschwerden oft fälschlich als normales Altern abgetan werden und wie die moderne, kathetergestützte Therapie heute schonend und schnell durchgeführt werden kann.
Außerdem erfahrt ihr:
- Welche Symptome auf eine Aortenklappenstenose hindeuten können
- Wie die Diagnose vom Hausarzt bis zum Kardiologen abläuft
- Wie ein kathetergestützter Klappenersatz konkret durchgeführt wird
- Und worauf nach dem Eingriff geachtet werden sollte
Herzwissen To Go – auf die Ohren.
Gast: Prof. Dr. med. Holger Eggebrecht
Host: PD Dr. med. Philipp Breitbart
Produziert mit ❤️ von Innovationsraum
Gast: Prof. Dr. med. Holger Eggebrecht
Host: PD Dr. med. Philipp Breitbart
Produziert mit ❤️ von Innovationsraum
CCB Herzgeflüster – Folge 4:
Aortenklappenstenose – wenn das Herzventil verkalkt
Aortenklappenstenose – wenn das Herzventil verkalkt
Ein Herz pumpt rund 5.000 Liter Blut am Tag – doch was passiert, wenn das Auslassventil des Herzens, die Aortenklappe, verkalkt und sich nicht mehr richtig öffnet? In dieser Folge geht es um die Aortenklappenstenose, eine der häufigsten Herzklappenerkrankungen, die vor allem ältere Menschen betrifft.
Host PD Dr. med. Philipp Breitbart spricht mit Prof. Dr. med. Holger Eggebrecht, interventionellem Kardiologen und einem der Inhaber des CCB Frankfurt, der seit rund 20 Jahren zu den Pionieren der kathetergestützten Aortenklappentherapie zählt.
Darum geht's in dieser Folge:
- Was die Aortenklappe im Herzen leistet und warum sie mit zunehmendem Alter verkalken kann
- Typische Symptome: Kurzatmigkeit, rasche Ermüdbarkeit, Schwindel bis hin zur Ohnmacht
- Warum Beschwerden oft als "normales Altern" fehlgedeutet werden – und weshalb sich eine Behandlung trotzdem lohnt
- Wie die Diagnose abläuft: vom Abhorchen beim Hausarzt bis zur Echokardiographie beim Kardiologen
- Nach welchen Kriterien entschieden wird, ob und wann behandelt werden muss
- Die kathetergestützte Aortenklappentherapie (TAVI): Ablauf, Dauer und warum sie heute für die meisten Patient:innen die Standardtherapie ist
- Unterschied zur klassischen chirurgischen Klappenersatz-Operation
- Und was nach dem Eingriff zu beachten ist – von der Antibiotikaprophylaxe bis zu Nachkontrollen
Gast:
Prof. Dr. med. Holger Eggebrecht, interventioneller Kardiologe, CCB Frankfurt
Prof. Dr. med. Holger Eggebrecht, interventioneller Kardiologe, CCB Frankfurt
Host:
PD Dr. med. Philipp Breitbart
Wichtig im Notfall:
Bei Symptomen wie Druck oder Schmerz in der Brust, Luftnot oder Kaltschweißigkeit sofort die 112 wählen.
PD Dr. med. Philipp Breitbart
Wichtig im Notfall:
Bei Symptomen wie Druck oder Schmerz in der Brust, Luftnot oder Kaltschweißigkeit sofort die 112 wählen.
Transkript
Prof. Dr. med. Holger Eggebrecht: Ein Herz pumpt ungefähr 5000 Liter am Tag und das ist schon ein Unterschied, ob das nur durch ein nadelkopfgrosses Ventil hindurchgepumpt wird.
Intro Sprecher: Herzgeflüster, der Podcast des CCB.
PD Dr. med. Philipp Breitbart: Herzlich willkommen zu einer neuen Folge von Herzgeflüster, dem Podcast rund um Herzgesundheit aus dem MVZCCB in Frankfurt. Wir möchten weiter mit Ihnen gemeinsam über Ihre Herzgesundheit sprechen, Krankheitsbilder erklären, aber auch mögliche Untersuchungen aus der Welt der Herzmedizin Ihnen näher bringen. Heute ein Thema, was insbesondere die älteren Herzpatienten immer häufiger betrifft, nämlich das Thema Aortenklappenstenose. Da freut es mich, dass heute Professor Holger Eggebrecht, interventionelle Kardiologe und einer der Inhaber aus dem CCB hier in Frankfurt bei uns ist, der eigentlich schon seit vielen, vielen Jahren als einer der Pioniere der nationalen Therapie der Aortenklappenstenose gilt. Holger, schön, dass du heute bei uns bist.
Prof. Dr. med. Holger Eggebrecht: Ja, Philipp, vielen Dank für die Einladung. Große Freude hier zu sein.
PD Dr. med. Philipp Breitbart: Erzähl uns doch erstmal die Aortenklappenstenose. Plötzlich Seit so ungefähr 20 Jahren schmeißen sich alle Kardiologen darauf. Es wird viel geforscht, es wird viel darüber diskutiert, welches ist die beste Therapie, aber was ist denn die Aortenklappenstenose überhaupt, was ist die Aortenklappe?
Prof. Dr. med. Holger Eggebrecht: In diesem Jahr ist es ja wirklich genau 20 Jahre her, seitdem wir die ersten Implantationen von Herzklappen mit Katheter in Deutschland durchgeführt haben. Also ist es eigentlich ein gutes Datum, um auch mal weiter darüber zu sprechen. Die Ortenklappenstenose ist, wie du ja auch gesagt hast, etwas, was ältere Patienten in der Regel betrifft, oftmals auch Patienten um 80 Jahre oder älter. Die Aortenklappe selber ist das Auslassventil des Herzens, also das Ventil, wodurch das Blut in den Körper, in die Körperschlagader gepumpt wird, vom linken Ventrikel, vom linken Herzen. Und diese Herzklappe ist halt großen Verwirbelungen ausgesetzt, muss den ganzen Druck, die ganze Kraft des Herzens aushalten und sich öffnen und damit dann den Blutstrom freigeben in die Körperschlagader, sich anschließend, nachdem das Herz gepumpt hat, schließen, sodass kein Blut zurückfließt in die Herzkammer und diese sich wieder neu füllen kann mit Blut, das aus der Lunge dann letztlich kommt. Die Klappe kann verkalken über die Jahre. Deshalb ist es auch etwas, was ältere Patienten vor allen Dingen dann betrifft, indem die Klappe dann oftmals sehr stark verkalkt ist und sich nicht mehr richtig öffnet und so ein Hindernis dann darstellt, sodass nicht mehr genug Blut in den Körperkreislauf gepumpt werden kann.
PD Dr. med. Philipp Breitbart: Also kann ich mir das im Prinzip vorstellen wie zu Hause im Bad mein Abfluss Es setzt sich immer mehr am Rand an und irgendwann ist der Abfluss halt so verstopft, dass das Wasser überläuft.
Prof. Dr. med. Holger Eggebrecht: Im Grunde ist die Analogie vergleichbar, aber hier handelt es sich ja um eine Klappe, also richtig um ein Ventil, wie es auch im Autoventile gibt und dieses Ventil verkalkt und das Resultat ist aber dasselbe. Es kommt zu wenig Blut in den Körperkreislauf. Das Herz ist auch sehr angestrengt, weil es durch ein sehr kleines Loch, durch eine kleine verkalkte Herzklappe nun die ganze Blutlast pumpen muss. Müssen immer dran denken, ein Herz pumpt ungefähr 5000 Liter am Tag und das ist schon ein Unterschied, ob das nun durch ein großes offenes Ventil pumpt oder nur durch ein nadelkopfgrosses Ventil hindurchgepumpt wird. Entsprechend sind die Folgen dann auch für den Herzmuskel bedeutsam.
PD Dr. med. Philipp Breitbart: Du sprichst die Folgen an. Was merkt denn der Patient, der zu dir in die Sprechstunde kommt oder derjenige, der das hört und sich Jetzt habe ich vielleicht eine Aortenklappenstenose. Welche Symptome verursacht das?
Prof. Dr. med. Holger Eggebrecht: Wir sprechen eigentlich von den Kardinalsymptomen, die ganz typisch sind für die Aortenklappenstenose, die dann aber auch letztlich die Therapiebedürftigkeit definieren. Das sind Symptome wie Kurzatmigkeit, rasche Ermüdbarkeit, aber auch Schwindel bis hin zur Ohnmacht kann auftreten. Wenn nicht genug Blut in die Herzkranzarterien kommt, dann kann es auch zu Beschwerden wie Angina pectoris, also Druck auf der Brust kommen. Wichtig ist immer, dass die Beschwerden bei Anstrengungen auftreten bzw. Verstärkt werden. Das ist ein klares Indiz, dass Patienten dann eine Problematik an der Herzklappe haben können. Es muss nicht immer die Herzklappe sein, sondern es können auch die Herzkranzarterien sein. Aber Symptome wie Kurzatmigkeit, rasche Ermüdbarkeit, Abgeschlagenheit, dass man nicht mehr gut belastbar ist, das sind so die Klassiker. Wenn wir über die Aortenklappenstenose sprechen.
PD Dr. med. Philipp Breitbart: Das ist ja auch der Punkt. Du sprichst es an, ähnliche Kardinalsymptome. Also es kann beispielsweise auch mal eine vergleichbare Symptomatik bei einer Durchblutungsstörung der Herzkranzgefäße auftreten. Altes Sprichwort Läuse und Flöhe, weswegen wir ja auch bei einer symptomatischen Aortenklappenstenose auch nach den Herzkranzgefäßen schauen, ob nicht vielleicht die Symptome von beiden verursacht werden. Jetzt stelle ich mir vor, ich bin Patient, bin älteren Jahrgangs und sage, okay, ich habe so ein bisschen Luftnot, meine Aortenklappe ist zwar stark stenosiert, aber ich denke mir, na ja gut, das bisschen Luftnot halte ich schon aus und ich bin ja alt. Warum sollte ich trotzdem schauen, ob ich eine Ortenklappenstenose habe? Warum ist es trotzdem wichtig, die gegebenenfalls zu behandeln?
Prof. Dr. med. Holger Eggebrecht: Ich denke, es ist ein schleichender Prozess, die Ortenklappenstenose, und man gewöhnt sich daran, man wird damit alt und führt das dann darauf zurück, dass man einfach jetzt ein Alter erreicht hat, wo man auch nicht mehr so kann. Aber ich habe viele Patienten, die mir dann nach zum Beispiel einer Operation oder nach dem interventionellen Ortenklappenersatz berichten, oh, das habe ich doch falsch eingeschätzt, ich wusste gar nicht, dass ich noch so gut belastbar bin. Also das heißt, wenn das Hindernis, das blockierte Ventil, ersetzt ist, fühlen sich die Patienten dann deutlich besser. Hier geht es vor allen Dingen um Lebensqualität. Das muss man sagen. Auch im hohen Alter ist der Eingriff, der Ortenklappenersatz heutzutage eigentlich in Anführungsstrichen kein Problem mehr, weil er halt minimal invasiv durchgeführt werden kann. Er kann ohne Narkose durchgeführt werden, in örtlicher Betäubung. Der Eingriff selber dauert eine halbe Stunde. Das Herz muss nicht mit der Herz Lungen Maschine angehalten werden. In USA gibt es die Prozeduren schon mit Entlassung am gleichen Tag. Also wenn alles gut geht, ist der Eingriff wenig belastend, bringt die Lebensqualität zurück und kann auch Herzschwäche, Herzmuskelschäden natürlich vermeiden, wobei im höheren Alter wirklich eher die Symptomatik das Problem ist und die Lebensqualität.
PD Dr. med. Philipp Breitbart: Bevor wir genau auf den Eingriff zu sprechen kommen, vielleicht noch mal den Schritt zurück. Wie kann ich denn herausfinden, ob ich eine Aortenklappenstenose habe oder Aber wenn ich jetzt den Podcast höre und ich habe Angehörige, bei welchen Risikokonstellationen sollte ich denn darüber mal nachdenken, sie zum Arzt zu schicken? Kann mein Hausarzt die Aortenklappenstenose diagnostizieren? Muss ich den Patienten oder muss ich selber direkt zum Kardiologen gehen? Kannst du uns da vielleicht mal eine Einordnung geben?
Prof. Dr. med. Holger Eggebrecht: Ganz so einfach wie bei der Herzerkrankung ist es nicht, weil die typischen Risikofaktoren hier nicht greifen. Also man kann nicht Leute, die rauchen oder Diabetes haben oder Cholesterinerhöhungen haben, eine Aortenklappenstenose, weil das sind keine klassischen Risikofaktoren, die für die Aortenklappenstenose, sondern das sind Risikofaktoren für die Coronarkrankung, für die Verengung an den Herzkranzarterien. Für die Aortenklappenstenose gibt es eigentlich keine ganz typischen Risikofaktoren. Vielleicht allenfalls, dass es in der Familie schon mal Ortenklappenstenosen bei direkten Angehörigen gegeben hat. Ich denke da an eine bikuspide Ortenklappe, also eine zweiblättrige Ortenklappe, die schneller verkalken kann als eine dreiblättrig angelegte Klappe. Aber so die klassischen Risikofaktoren haben wir eigentlich nicht. Der Hausarzt kann schon wichtige Hinweise liefern. Die Auskultation, also das Abhören des Herzens ist bei der Ortenklappenstenose eigentlich sehr einfach und man kann dieses Geräusch eigentlich fast nicht überhören, muss man sagen. Und wenn der Hausarzt dann die Symptome erfasst, die das Herz abhört, dann glaube ich, ist es Zeit zum Kardiologen zu schicken, weil wir natürlich nicht nur abhorchen können, sondern wir können natürlich echokardiographisch auch das Herz und die Herzklappe genau untersuchen, dann die Diagnose stellen.
PD Dr. med. Philipp Breitbart: Das heißt, wenn ich nun zu meinem Hausarzt gehe und ihn darum bitte oder die Sorge habe, dass ich eine Aortenklappenstenose habe, hört er mich ab. Wenn er nichts hört, ist es ja quasi so, wie du es beschreibst, so gut es gehen, also was diese Klappenerkrankung angeht, ausgeschlossen. Wenn er nun was hört und schickt mich zur weiteren Abklärung und der Patient kommt damit jetzt in deine Sprechstunde, wie läuft denn dann diese Abklärung ab? Muss ich dann direkt, wenn ich zu dir komme, aufgeregt sein beim ersten Mal, weil dann ganz aufregende Dinge passieren oder wie sieht so ein Patientenweg aus?
Prof. Dr. med. Holger Eggebrecht: Ich denke, aufgeregt muss man nicht sein, weil wir eigentlich sehr schonende Untersuchungen machen, die letztlich im Grunde bis auf die Blutentnahme nicht wehtun. Ich denke, eine Blutentnahme gehört dazu, weil wir die Herzwerte im Blut bestimmen wollen, um zu wissen, wie geht es dem Herz denn auch objektiv. Das können wir an den Blutwerten heutzutage wirklich sehr genau ablesen. Und die Echokardiographie, also der Herzultraschall, ist schnell gemacht und tut ja nicht weh, ist nicht strahlenbelastend, man muss kein Kontrastmittel geben. Also das ist eine Untersuchung, die vielleicht Viertelstunde, 20 Minuten dauert, aber für den Patienten total schmerzfrei und unbelastend ist. Deshalb Aufregung lohnt sich für diesen Besuch eigentlich nicht.
PD Dr. med. Philipp Breitbart: Die Echokardiographie ist hier etwas bzw. Grundsätzlich das Herz, was ja auch jeder Nichtmediziner sich herleiten kann, weil das Herz, du hast es gesagt, Ventilpumpe. Nach was schaue ich denn in der Echokardiographie, dass ich das vielleicht auch als Patient mit nachvollziehen kann bzw. Dann auch zu Hause erklären kann, was jetzt das Problem ist.
Prof. Dr. med. Holger Eggebrecht: Im Grunde kann man das mit einem Gartenschlauch vergleichen. Wenn wir den Gartenschlauch normal laufen haben, blubbert das Wasser so raus in einem, sagen wir mal, mittelstarken Strahl vielleicht. Und wenn wir dann künstlich den Gartenschlauch verengen, indem wir zum Beispiel einen Finger reinhalten, dann spritzt es ja richtig raus aus dem Gartenschlauch. Und so können wir dann auch die Blumen in den letzten Ecken erreichen, wenn wir sie gießen wollen. Ähnlich ist es auch bei der Ortenklappenstenose. Der Blutfluss wird extrem beschleunigt durch das kleine Loch. Normalerweise pumpt das Herz ungefähr das Blut mit circa 1,5 Meter pro Sekunde aus dem Herzen hinaus. Aber wenn die Klappe blockiert ist, durch die Verkalkung nicht mehr richtig öffnet und nur noch, ich sag mal, eine stecknadelkopfgroße Öffnung bietet, dann sind wir bei Flussgeschwindigkeiten bis zu 5 Meter pro Sekunde. Entsprechend ist der Strahl ziemlich ausgeprägt. Und das können wir mit der Echokardiographie messen, mit den sogenannten Dopplertechniken. Das ist so ähnlich, als wenn wir das Signal eines Rettungswagens erfassen, was wir hören. Wir hören das akustische Signal und ähnlich vermessen wir hier auch die Flussgeschwindigkeit im Herzen und können so einen ersten und meist auch ziemlich genauen Eindruck bekommen, wie geht es der Aortenklappe? Haben wir ein Problem oder nicht.
PD Dr. med. Philipp Breitbart: Wenn wir jetzt herausfinden, dass die Aortenklappe ein Problem hat, ist es ja jetzt nicht so, dass wir jede Aortenklappenverengung oder Undichtigkeit im Alltag behandeln. Was sind Patienten, die dann entsprechend auch von einem Eingriff profitieren und welche Untersuchungen brauche ich dann vielleicht noch ergänzend um einen möglichen Eingriff? Über die möglichen Eingriffe, welche es gibt, sprechen wir danach noch mal kurz. Aber wie läuft denn dann die weitere Planung ab?
Prof. Dr. med. Holger Eggebrecht: Wir hatten eingangs schon gesagt, dass es ja um Lebensqualität geht und ich glaube, das ist der entscheidende Punkt. Es gibt Situationen, in denen es auch nicht nur um die Lebensqualität, sondern um das Leben selbst geht, Dass bei der kritischen Ortenklappenstenose, also wenn die Verengung bereits so weit fortgeschritten ist, dass kaum noch Blut durchkommt, dann gibt es auch ein deutliches Risiko für akute Probleme, plötzlicher Herztod als Stichwort genannt. Aber in der Regel kommen wir da früher dran und erkennen die Patienten früher und dann geht es um Lebensqualität. Und entsprechend wollen wir das auch in den Fokus der Indikationsstellung setzen und sagen, der Patient wird profitieren, wenn er besser Luft bekommt. Es geht nicht um die Behandlung von echokardiographischen Messwerten, sondern hat der Patient Beschwerden? Wie ist er überhaupt noch belastbar? Wenn wir die Herzwerte im Blut bestimmen, sehen wir auch, ob das Herz objektiv leidet oder nicht. Daran, glaube ich, können wir ganz gut die Indikation orientieren. Und wenn wir die Werte so haben und der Gradient so hoch ist und der Patient auch Beschwerden hat, dass wir ihm mit ziemlicher Sicherheit versprechen können, dass die Symptome nach dem Eingriff deutlich besser sein werden und er im Leben wieder besser teilhaben kann.
PD Dr. med. Philipp Breitbart: Das macht uns ja, glaube ich, als passionierte Herzmediziner auch aus, dass wir nicht eben Laborwerte oder Grenzwerte in einer Untersuchung behandeln, sondern den Patienten, sodass wir ja dann auch teilweise schauen, wenn jemand die echokardiographischen Kriterien erfüllt, aber im Alltag komplett beschwerdefrei ist und es auch keine Herzbelastungszeichen im Labor gibt, dass man dann im Zweifel einfach sagt, man lässt es noch mal laufen, man kontrolliert einfach sechs Monate später noch mal nach. Wenn nun die Klappe behandlungsbedürftig ist, und ich glaube, das ist ja ein Thema, das viele bewegt, nicht die Diagnose an sich ist ja etwas, wovor sich vielleicht der ein oder andere sorgt, sondern Diagnose zieht ja häufig dann eine Konsequenz und eine Behandlung nach sich. Du hast es schon gesagt, 20 Jahre ist es her, erster interventioneller Klappenersatz in Deutschland. Welche grundsätzlichen Möglichkeiten gibt es denn zur Behandlung der Aortenklappenstenose und ist das alles für jeden Patienten oder nach welchen Kriterien wählst du aus?
Prof. Dr. med. Holger Eggebrecht: Grundsätzlich kann man sagen, dass es keine spezifische medikamentöse Behandlung gibt. Also wir haben im Gegensatz zur Koronar-Herzerkrankung keine Medikamente an. Der Hand derzeit, die die Progression, also die Zunahme, die Verschlechterung der Ortenklappenstenose verhindern können. Wir hatten Hoffnungen in die Cholesterinsenker gehabt, das hat sich aber leider nicht erfüllt. Also medikamentös können wir wenig machen. Deswegen bleibt es bei diesen Verlaufskontrollen. Das kann man zum Beispiel alle drei bis sechs Monate machen und gucken, nimmt der Gradient über der Klappe zu. Und wenn wir dann in der Tat Patient ist symptomatisch, hat die Kriterien einer wirklich bedeutsamen Klappenstenose erreicht, dass wir dann behandeln, dann gibt es die Möglichkeit, das traditionell zu machen. Chirurgisch. Die chirurgische Behandlung gibt es schon seit ganz vielen Jahren. Kann man einmal mechanisch die Klappe ersetzen, also mit einem mechanischen Implantat, einer Carbon Doppelflügelklappe oder mit einem biologischen Implantat. Das wäre dann eine Art Schweineklappe, wobei das natürlich keine Herzklappe ist, die im Schwein schon mal gelaufen ist, sondern eine aus Schweinegewebe hergestellte biologische Herzklappe ist. Die kann heute auch minimalinvasiv vom Chirurgen eingesetzt werden. Das ist so ein Verfahren, wo man heute eigentlich sagt, Für Patienten unter 70 Jahre, unter 75 Jahre ist es eigentlich Standard. Ich denke, die Entwicklung wird immer mehr dahin gehen, dass wir auch jüngere patienten, also um 70 Jahre, auch mit der interventionellen Therapie behandeln. Dabei wird dann im Gegensatz zur Chirurgie auch eine Klappe eingesetzt, eine biologische Klappe, also eine Herzklappe aus zum Beispiel Schweine oder Rindergewebe, die in einem Metallrahmen aufgehangen ist. Die Klappe ist zunächst zusammengefaltet, sodass sie in einen Katheter geladen werden kann und mit dem Katheter kann sie dann minimal invasiv über die Leiste, sogar in örtlicher Betäubung vorgebracht und implantiert werden.
PD Dr. med. Philipp Breitbart: Du hast es erwähnt, minimalinvasiv über einen Katheter, nur um sich das noch einmal genauer vorzustellen. Also sprich, es gibt dann ähnlich wie bei einer Herzkatheteruntersuchung einen Pieks in die Leiste, darüber einen Zugang oder habe ich sonst noch irgendwelche offenen Stellen dann am Körper? Wie lange dauert dieser Eingriff? Wie lange muss ich damit rechnen, dass ich im Krankenhaus bin? Ist das für mich jetzt belastend, weniger belastend?
Prof. Dr. med. Holger Eggebrecht: Die transfemorale oder die Katheterinterventioneller Ortenklappentherapie hat sich in Deutschland rasend schnell verbreitet und sich auch als Standardtherapie durchgesetzt. Und mittlerweile wird die ganz, ganz überwiegende Zahl der Eingriffe minimalinvasiv mit Katheter durchgeführt.
PD Dr. med. Philipp Breitbart: Nur noch mal ganz kurz zum Verständnis, du sagst jetzt transfemoral im Prinzip für alle, die zuhören, mit dem Stich in die Leiste.
Prof. Dr. med. Holger Eggebrecht: Genau über die Leiste. Das hat sich eigentlich als Standardverfahren etabliert über die letzten 20 Jahre. Heute wird nur noch ein kleiner Bruchteil der Patienten operiert, nämlich jüngere Patienten im Grunde, für die die Kathetertherapie nicht in Frage kommt. Der Eingriff selber, die Katheterklappe wird über die Leiste durchgeführt in örtlicher Betäubung. Das macht man ganz gerne mit so einer bisschen Duselnarkose dabei, dass man so ein bisschen beduselt ist, damit der Patient ruhig liegt und so, dass wir dann die Klappe auch sicher und an der Stelle implantieren können, wo wir sie auch implantieren wollen. Der Eingriff ist ziemlich unbelastend. Wir machen eine sehr gute Vorbereitungsdiagnostik, indem wir CT machen, um zu gucken, geht das über die Leistenschlagader. Wenn das geht, ist es so ein straightforward Eingriff, also direkt geht es ran, wird punktiert. Meistens wird noch ein kleiner Katheter über den Arm oder über die andere Leiste, das ist je nach Zentrum unterschiedlich platziert, auch vorgebracht in die Körperschlagader nah an das Herz heran, sodass man während des Eingriffs auch genau weiß, durch Angiografie, wo man ist. Dann wird die Klappe implantiert. Der Eingriff dauert in der Regel wirklich 25 bis 30 Minuten. Das geht sehr schnell Das Herz muss nicht angehalten werden. Bei jeder Operation wird das Ventil ja ausgetauscht. Entsprechend muss das Herz in seinem Pumpen angehalten werden mit der Herz Lungen Maschine, weil man sonst kein neues Ventil einsetzen könnte. Hier pressen wir die neue Herzklappe ein oder sie entfaltet sich selber für diesen ganz kurzen Moment. Theoretisch kann man sagen, halten wir das Herz an. Wir stimulieren es mit einem Katheter mit hoher Herzfrequenz, sodass es faktisch keinen Auswurf hat und wir die Klappe in Ruhe dann für die 10 Sekunden implantieren können. Man hat keine offenen Stellen am Körper, wenn man so will, sondern die Leistenpunktion wird im Anschluss in der Regel mit so einem nahtbasierten Kathetersystem verschlossen. Dann kommt in der Regel noch ein Druckverband drauf. Ist vielleicht wie eine große Herzkatheteruntersuchung, ist wahrscheinlich etwas mehr als ein kleiner Pieks in der Leiste, ist auch mehr als ein Herzkatheter. Viele Patienten sagen ja, Herzkatheter kenne ich wunderbar, muss man schon sagen, ist ein bisschen mehr, aber ist jetzt auch nicht etwas, wo man richtig große Sorgen vorhaben müsste.
PD Dr. med. Philipp Breitbart: Und wenn ich nun so eine Klappe, eine neue Prothese habe, egal ob chirurgisch oder über einen katheterbasiertes Verfahren, worauf muss ich danach achten? Was empfiehlst du deinen Patienten für Kontrollintervalle? Wann sollen sie zum Kardiologen? Worauf müssen sie vielleicht auch in ihrem Alltag aufpassen? Wie ändert sich gegebenenfalls ihr Leben?
Prof. Dr. med. Holger Eggebrecht: Ich denke, alle Patienten mit Klappenerkrankungen und neuen Herzklappen, das trifft für alle zu. Also auch wenn man nicht behandelt ist, auch nur eine verkalkte Aortenklappe hat, dann muss man darauf achten, wenn Fieber auftritt, dass man frühzeitig Antibiotika nimmt und wenn man zu bestimmten Eingriffen geht, in der Regel sind das zahnärztliche Eingriffe, sollte man zum Schutz der Klappe, damit sich keine Bakterien auf die erkrankte Klappe setzen, ein Antibiotikum einnehmen. Ich glaube, das gilt für beide Situationen, einmal die unbehandelte als auch die neue Herzklappe. Ansonsten back to life, würde ich sagen, zurück ins Leben. Die neue Herzklappe funktioniert ja ab dem ersten Herzschlag wieder wie normal. Wir sagen immer, wie beim jungen Mädchen funktioniert die Herzklappe wieder. Der Gradient ist über der Herzklappe wirklich sehr gering, Der Blutfluss ist wieder ganz normal, sodass der Patient sich dann, wenn die Leiste, wir sagen so eine Woche Schonung für die Leiste, aber sich auch wieder voll belasten kann und auch soll. Worauf man vielleicht noch achten sollte, ist, ob im Verlauf vielleicht noch so etwas wie Herzaussetzer oder Schwindel auftreten. Das gab es früher häufiger, als es das heute gibt, aber heute gibt es auch noch selten mal, dass man im Anschluss vielleicht auch noch einen Herzschrittmacher sogar braucht, weil durch die neue Herzklappe, die eingepresst wird ins Herzen, auch das Herzreizleitungssystem manchmal mit betroffen wird. Aber das ist eigentlich schon im Krankenhaus erkannt und geregelt, wenn sowas auftritt, dass man eigentlich den Patienten Ja, kommen Sie vielleicht in einem halben Jahr noch mal zur Kontrolle wieder. Wir gucken uns die Herzklappe an, dass alles gut funktioniert und dann back to life.
PD Dr. med. Philipp Breitbart: Das ist ein ganz schönes Schlusswort, denn auf der einen Seite haben wir die Aortenklappenstenose als im Prinzip häufigste Klappenerkrankung in Deutschland, die vor allem im Alter als Risikofaktor gehäuft auftritt. Aber im Endeffekt ist es nichts, wovor man Angst haben muss. Du hast uns, glaube ich, sehr schön erklärt, wie schonend und schnell dieses Verfahren geht und dass auch niemand mit entsprechend diesem Krankheitsbild einer schweren symptomatischen Verengung Angst haben muss. Und vor allem, und ich glaube, das ist ein entscheidender Punkt, dass man mit dem Einsetzen der neuen Klappe im Prinzip das Risiko oder den Gesundheitszustand dieser Klappe wieder auf jung setzen kann. Ich glaube, das ist das Besondere, weil in vielen Bereichen der Medizin können wir Krankheit reduzieren oder voranschreiten, nur verlangsamen. Aber in diesem Fall können wir ja wirklich kranke Klappe gegen gesunde Klappe austauschen. Deswegen vielen, vielen lieben Dank, Holger, dass du uns mitgenommen hast und wirklich, glaube ich, die verschiedenen Aspekte rund um die Aortenklappenstenose uns erklärt hast, sodass niemand nun zu Hause sich davor Sorgen machen muss und auch weiß, wann er darauf achten muss. Es freut uns sehr, dass Sie wieder zugehört haben bei dieser Ausgabe von Herzgeflüster hier aus dem MVZCCB in Frankfurt. Wir möchten Sie weiter über verschiedene Themen, Krankheitsbilder, Diagnostika aus der Welt der Herzmedizin aufklären, denn wir sind ü Wer als Patient versteht oder als Angehöriger, was passiert, kann Entscheidungen mit mehr Sicherheit und einem besseren Gefühl treffen. Daher laden wir Sie herzlich ein, schalten Sie auch in Zukunft wieder ein. Holger, dir erstmal vielen, vielen lieben Dank.
Prof. Dr. med. Holger Eggebrecht: Ja, vielen Dank, Philipp
Intro Sprecher: Herzgeflüster, der Podcast des CCB.